U3-Konzept

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Einführung

„Wer sich sicher fühlt, ist frei, die Welt zu entdecken.“

(Verfasser unbekannt)

Der Kindergarten „Die Wühlmäuse“ betreut 2 Gruppen. Die Kaninchengruppe mit dem Gruppentyp III b betreut 25 Kinder im Alter von 3 – 6 Jahren.

In der Nilpferdgruppe werden ab August 2011 20 Kinder von 2 – 6 Jahren betreut (Gruppentyp I b+c), davon halten wir 6 Plätze für die 2-3jährigen Kinder bereit.

Schon den Kleinsten möchten wir die Möglichkeit geben, Erfahrungen in verschiedenen Bereichen und auf jeweils unterschiedliche Arten zu sammeln. Hier bauen wir auf die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder auf, berücksichtigen den individuellen Entwicklungsstand jedes Kindes, geben ihnen Zeit zum Ausprobieren und die nötige Ruhezone, um eigene Lösungen zu finden und Erlebtes zu verarbeiten.

Unser Ziel ist es, dass jedem Kind die Möglichkeit gegeben wird, sein eigenes Tempo des Lernens selbst festzulegen. Wir geben den Kindern das Vertrauen und die Sicherheit, sich neuen Herausforderungen zuzuwenden.

Eingewöhnung
Zusammenarbeit mit Eltern
Pflegebereich
Schlafbedürfnis
Mahlzeiten
Tagesablauf
Morgenkreis
Bewegung
Sprache
Kreativer Bereich
Spiel
Förderprogramm

Eingewöhnung

Die Eingewöhnung der U3-Wühlmaus-Kinder für die dauerhafte Aufnahme in der Tageseinrichtung erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und den engeren Bezugspersonen. Unsere Eingewöhnung verläuft angelehnt an das Berliner Eingewöhnungsmodell. In der Eingewöhnungszeit kommen die Eltern des Kindes als sichere Bezugsperson mit in die Gruppe und verbringen die erste Zeit gemeinsam mit ihrem Kind im Kindergarten. Die Eltern stehen dem Kind als „sicherer Hafen“ zur Verfügung. In unserer Gruppe sollen schon die Kleinsten erleben, dass auch die Eltern gerne ihre Zeit im Kindergarten verbringen und willkommen sind. Die tägliche Anwesenheitszeit des Kindes sollte während der ersten Tage etwa eine Stunde betragen.

Vor dem vierten Tag werden wir keine Versuche unternehmen, das Kind ohne die Anwesenheit der Begleitperson zu betreuen. Langsam steigern sich die Zeiten, in der sich Eltern zurückziehen und die Erzieherinnen die Betreuung und Pflege der Kinder übernehmen.

Zusammenarbeit mit Eltern

Vor der Eingewöhnungszeit des Kindes im Kindergarten findet ein Aufnahmegespräch mit den Eltern über die individuelle Entwicklung des Kindes, Besonderheiten, Rituale, Gewohnheiten und Bedürfnisse statt. Hier gilt es auch für uns Erzieherinnen, einen ersten Blick in die aktuelle Familiensituation zu erhalten. Einige Wochen vor Beginn der Kindergartenzeit bieten wir einen gemeinsamen Nachmittag für Eltern unter 3jähriger an. Alle Erzieherinnen, die in der nächsten Zeit engeren Kontakt mit den Kindern haben, nehmen daran teil. Die einzelnen Phasen der Eingewöhnung werden mit den Eltern besprochen, Hintergründe erklärt, erste Zeiten festgelegt und ein erstes Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Erzieherinnen, als Basis für die zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit aufgebaut. Eltern sollen erfahren, dass ihre Wünsche und Ängste ernst genommen, respektiert und entsprechend unseren Möglichkeiten berücksichtigt werden.

Pflegebereich

Unsere Einrichtung ist mit einem 13,08 qm² großen Wickelraum ausgestattet. Jedem Kind steht eine Schublade mit individuellen Pflegeutensilien, Windeln und Wechselwäsche zur Verfügung. Die Ausstattung des Raumes haben wir so gewählt, dass Erzieherinnen die Zeit der Pflege und das Sauberkeitstraining mit den Kindern in harmonischer Atmosphäre gestalten können. In der Zeit der Eingewöhnung führen wir die Pflege des Kindes gemeinsam mit den Eltern oder einer vertrauten Bezugsperson durch. Besonderheiten, die das Kind betreffen, werden abgesprochen und berücksichtigt. Es ist unser Ziel, dass die Kinder sich mit einem Gefühl des Wohlbefindens von den Erzieherinnen wickeln oder beim Sauberkeitstraining gerne begleiten lassen. Das Wickeln und das Sauberkeitstraining betrachten wir nicht nur als pflegerische Aufgabe sondern als ideale Möglichkeit, eine intensive und vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufzubauen und zu pflegen.

Schlafbedürfnis

In unserer Kindertagesstätte verfügen wir über einen 24,88 qm² großen Schlafraum, der im Vormittagsbereich auch als „Rückzugsmöglichkeit“ genutzt werden kann. Gut gelüftet und abgedunkelt können wir hier den Kindern das Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf gerecht werden und Bindungswünsche der Kinder erwidern. Bezugserzieherinnen begleiten die Einschlaf- und Aufwachphasen der Kinder. Niedrige Betten ermöglichen jedem Kind nach anfänglicher Begleitung selbstständig und angstfrei unter Aufsicht den Raum nach dem Aufwachen zu verlassen. Rituale, die die Kinder ggf. von zuhause mitbringen, bieten wir vor und nach der Schlafenszeit an.

Mahlzeiten

Unsere Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten sind während der ersten Monate fest im Tagesrhythmus verankert und Orientierungspunkte für unsere Kleinsten. Bei einer ansprechenden Atmosphäre, geeigneter Ausstattung und verschiedenen Ritualen soll jedes Kind die gemeinsamen Mahlzeiten als ein schönes und schmackhaftes Erlebnis erfahren. Die gemeinsamen Mahlzeiten werden von der Erzieherin begleitet. Nach und nach gehen wir dazu über, dass die Kinder am so genannten „freien Frühstück“ teilnehmen können. Ziel des freien Frühstücks ist es, Selbstregulation und Selbstverantwortung der Kinder in diesem Bereich zu fördern. Gegen Ende ihres ersten Jahres im Kindergarten sind die meisten U3-Kinder in der Lage, besonders durch das Vorbild der älteren Kinder, ihre Frühstückssituation mit Begleitung der Erzieherin selbstständiger zu organisieren. Großen Wert legen wir darauf, Hunger und Sättigungsgefühle der Kinder wahrzunehmen und Kinder in ihren Gefühlen zu bestärken.

Gehaltvolles Frühstück mit Obst und Gemüse und täglich frisch gekochte kindgerechte Mittagsmahlzeiten sind uns eine Herzensangelegenheit und tragen zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung bei.

Tagesablauf

So könnte ein typischer Tagesablauf bei den Wühlmäusen aussehen.

 bis 09:00 Uhr Bringzeit, Tür- und Angelgespräche mit den Eltern freies Frühstücksangebot für Kinder, die schon sehr früh in der Einrichtung sind
09:00 Uhr Morgenkreis
09:30 Uhr Frühstück mit Obst und Gemüse
10:00 Uhr freies Spiel und abwechslungsreiche Angebote für Einzelne oder Kleingruppen, z.B. Bilderbuchbetrachtungen, Fingerspiele, Lieder, Malen
ab ca. 10:45 Uhr Sauberkeitserziehung: Wickeln, Töpfchen- oder Toilettengang
ab ca. 11:15 Uhr Spielen im Freien: Sandspiele, Spaziergang …
ab 12:00 Uhr gemeinsames Mittagessen
ab 12:30 Uhr Ruhephase: Einschlafrituale, Gute-Nacht-Lied oder leise Einschlafmusik
individuelles Ende der Ruhephase: jedes Kind beendet die Ruhephase individuell: nach dem Ausschlafen wickeln, Sauberkeitserziehung, danach freies Spiel
14:30 – 15:00 Uhr Nachmittagsimbiss (Brot, Obst oder Joghurt)
ab 15:00 Uhr freies Spiel in der Gruppe oder im Freien
16:30 Uhr Ende der Kindergartenzeit

Morgenkreis

Von Anfang an möchten wir den Kindern die Möglichkeit geben, am gemeinsamen Morgenkreis teilzunehmen. Hier können sie beobachten, wie ältere Kinder Lieder, Sing- oder Bewegungsspiele darbieten, sich verhalten und mit anderen Kindern und Erzieherinnen kommunizieren. Bei Liedern, Bewegungs- und Fingerspielen versuchen sie mitzumachen, wachsen langsam in die Tradition unseres Morgenkreises mit gemeinsamen Aktionen und Aktivitäten hinein und erleben die Gemeinschaftserfahrung als besonderen Höhepunkt im Tagesablauf. Je nach Thematik, Situation und Entwicklung der Kinder werden wir getrennte Kreise anbieten und altersgerechte Angebote durchführen.

Bewegung

Die natürliche Bewegungsfreude der unter 3jährigen Kinder nutzen wir, um täglich Spiel- und Bewegungsangebote durchzuführen, die zur Förderung der Grob- und Feinmotorik beitragen. Verschiedene Materialien wie Bälle, Luftkissen, Reifen u.s.w. regen Aktivitäten der Kinder an und ermöglichen ihnen im Alltag vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Nach einer Phase des freien „Ausprobierens“ gehen wir dazu über, den Kindern verschiedene Bewegungsvorschläge zu machen, die sie imitieren und trainieren können.

Dabei begleiten aktive und einfache Bewegungsimpulse den Aufenthalt des Kindes in der Einrichtung. Wir legen großen Wert darauf, dass jedes Kind gefördert und Anregungen und Erfolgserlebnisse geschaffen werden, die seiner eigenen Entwicklung entsprechen.

Ein strukturierter Ablauf mit wiederkehrenden Spiel- und Bewegungsaktionen sollen dem Kind Orientierung und Sicherheit geben.

Sprache

Der Spracherwerb von Kleinkindern erfordert die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung der Erwachsenen. Unsere Mitarbeiter verstehen sich in ihrer Kommunikations- und Konfliktkultur als Vorbilder für unsere Kinder. Immer wiederkehrende Situationen und feste, sprachlich begleitete Rituale und Aktionen wie z.B. Tischsprüche, Reime, Lieder, Finger- Sing- und Bewegungsspiele regen zum freudigen Spracherwerb an. Beim Ankommen und Verabschieden wenden wir uns individuell verbal den Kindern zu. Wir reagieren wenn möglich immer auf verbale und nonverbale Äußerungen des Kindes, sind antwortbereit, dem Kind zugewandt, greifen die Aussagen der Kinder auf und erwidern diese mit vollständigen Sätzen. Wir achten auf den Einsatz verschiedener Satzformen, wie Fragen und Aufforderungen und bieten vielfältige Dialoge an. Eine sorgsame Sprachpflege, angemessene Lautstärke, die Färbung der Stimme und die jeweils eingesetzte Sprachmelodie sollen unsere Kinder motivieren und zum Mitmachen auffordern. Eine Erzähl- und Vorleseecke mit altersgerechten Büchern aus verschiedenen Themenbereichen, auf denen Erwachsene mit den Kindern Platz nehmen und bei Bedarf im Arm halten können, laden zum gemeinsamen Entdecken in die Welt der Bücher ein.

Kreativer Bereich

Im kreativen Bereich lernen die Kinder vor allem mit der Möglichkeit des selbstständigen Handelns. Verschiedenste Materialien wie z.B. Stifte, Papier, Farbe, Knete, Textilien und Dingen aus der Natur wecken das Interesse der Kinder und laden dazu ein, sich mit ihnen zu befassen und auseinander zu setzen. Sie können ältere Kinder, die kreativ tätig sind, beobachten, sich an den vielfältigen Handlungen anderer Kinder orientieren und mit den Materialien und beiden(!) Händen experimentieren. Durch vielfältiges Üben und Ausprobieren gewinnen sie Zutrauen im Umgang mit den Materialien und haben die Möglichkeit, reichhaltige positive Lernerfahrungen zu sammeln.

Spiel

Das Spiel ist in besonders ausgeprägter Weise ein selbstbestimmtes Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung und mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Sie sollen im Spiel freiwillig und mit Spaß, über Versuch und Irrtum und ohne Versagensängste die Möglichkeit finden, sich mit anderen Kindern auseinanderzusetzen, ihnen näher kommen, ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen entdecken und damit zugleich sich selbst vertrauter zu werden. Wir gestalten mit den Kindern eine anregende Umgebung mit Anreizen und Freiräumen zu vielfältigem Spiel, stellen unterschiedliche, den Kindern frei zugängliche Materialien, wozu auch Gegenstände des täglichen Hausgebrauchs gehören, bereit. Wir unterstützen die Kinder, selbst zu entscheiden, was, wann und mit wem sie spielen möchten, beobachten, ob Kinder sich zurückziehen oder ausgeschlossen werden und suchen Gründe dafür. Wir ermuntern die Kinder, eigene Spielideen zu entwickeln, lassen ihnen Zeit zum Ausprobieren und geben Impulse, um Spiele variantenreicher und interessanter zu gestalten, ohne die Spielideen zu dominieren. Unsere Mitarbeiterinnen unterstützen die Kinder darin, Gesehenes, Erlebtes und Erfahrenes im Spiel auszuleben und zu verarbeiten. Unser Außengelände ermöglicht den Kindern, elementare Erfahrungen mit Wasser, Erde und Luft zu machen und vielfältige Sinnes- und Bewegungserfahrungen zu sammeln. Für elementare Erfahrungen bieten wir ihnen die Möglichkeit, in Pfützen zu springen, mit Wasser zu spielen, sich hinter Büschen zu verstecken, Löcher zu buddeln und Schätze zu sammeln. Bei Streitigkeiten und Konflikten stehen wir den Kindern helfend zur Seite.

Förderprogramm

Interesse und Spaß sollen schon bei den Kleinsten die Neugierde auf physikalische Phänomene wecken. Jedes Kind soll nach seinen Interessen und Neigungen mit Alltagsmaterialien, wie Spiegel, Strohhalme, Sand, Trichter, Siebe und anderen Materialien seine Umwelt erfahren. Wir bieten Möglichkeiten, dass Kinder sich ausprobieren, Gesetzmäßigkeiten spielerisch und individuell erkunden und für sich entdecken können.

Durch das Experimentieren wollen wir Neugierde und die Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene wecken und Basiskompetenzen wie z.B. Grob- und Feinmotorik, Lern- und Sprachkompetenz fördern. Kinder unter 3 Jahren sind aktive Forscher, mit Neugierde und entsprechenden Angeboten lernen sie täglich Neues dazu.

Naturbereich

Da Kinder unter 3 Jahren sich in ihrem Verhalten ganz eng am Verhalten der Bezugspersonen orientieren, achten wir bei Begegnungen mit allen Insekten und anderen Tieren darauf, dass wir wohlwollend und ruhig reagieren. Insekten werden mit Lupengläsern erforscht und betrachtet. Nach einiger Zeit erleben die Kinder angstfrei, dass man z.B. einen Wurm ganz vorsichtig anfassen oder einen Käfer über die Hand krabbeln lassen kann. Es wird darauf geachtet, dass unsere Kinder möglichst keine negativen Erfahrungen mit Wespen, Bienen oder Ameisen erleben, diese aber ruhig aus größerem Abstand beobachten kann.